Der Daiquiri – Geschichte und Rezepte

Der Daiquiri gehört zu der großen Gruppe der Sours, zu welchen auch die Margaritas, der Sidecar und weitere Drinks gehören, die im Prinzip aus einer Spirituose, Zitronen- oder Limettensaft und Zucker bestehen. Sein Vorläufer war der Grog, also ein mit Wasser und Limetten- oder Zitronensaft verdünnter und mit etwas Honig gesüßter Rum, den Vizeadmiral Edward “Old Grogram” Vernon (1684-1757) seinen Matrosen als Vorbeugung gegen Skorbut verschrieb. Mit diesem „Grog“ (als Anspielung auf den aus Grogram, einem Stoff aus Seide und Wolle, bestehenden Umhang des Vizeadmirals) war das Grundrezept für den Daiquiri schon vorhanden! Vernon hat das Rezept allerdings auch nicht selbst erfunden, sondern einfach eine uralte Mischung adaptiert, die unter dem einfachen Volk der Karibik seit Jahrhunderten war und als Canchánchara bezeichnet wurde: Rum (oder Aguardiente), Limettensaft und zum Süßen Honig oder, was wahrscheinlicher ist, Melasse. Im Glas gerührt und mit etwas Soda aufgespritzt. – Es war also eher eine Mischung überall vorhandener Grundzutaten nach dem Motto „Wir schütten alles zusammen, was ihr wollt“ – das Ganze freilich ohne Eis, das damals in der Karibik aus verständlichen Gründen praktisch unbekannt war.

Der kleine Hafen Daiquiri, ganz im Südosten Kubas unweit von Santiago de Cuba gelegen, gab dann dem Cocktail ihren Namen. Dort befand sich eine große Eisenmine, die früher von der US-amerikanischen Gesellschaft Spanish American Iron Co. betrieben wurde. Während des Spanisch-Amerikanischen Krieges war, wie bereits früher berichtet, ein gewisser Jennings Stockton Cox dort General Manager als tätig.

Dieser kreierte in der Venus Bar in Santiago de Cuba den ersten wirklichen „Daiquiri“ mit den Zutaten, die er gerade zur Hand hatte, als andere Drinks während einer Party ausgegangen waren. Einen sehr informativen Reisebericht zu dem Örtchen Daiquiri findet man übrigens hier!

Der Original Daiquiri von Jennings Cox:

6 cl Bacardi Rum

2,5 cl Frisch gepresster Limettensaft

1 TL Rohrzucker

Ein Highballglas mit Crushed Ice füllen, den Rohrzucker und den Limettensaft hinzufügen und mit 6 cl Bacardi aufgießen.

So lange rühren, bis das Glas außen vereist.

 

Die heute übliche Version des Daiquiri, die geshaked und im Martini- oder Margaritaglas serviert wird, hat sich also erst später entwickelt.

Der amerikanische Kongressabgeordnete William A. Chanler, der die Eisenmine 1902 erworben hatte, hat dann die Cox’sche Kreation in den Clubs seiner Heimat New York bekannt gemacht. Freilich blieb die Verbreitung des Daiquiri aber zunächst auf New York selbst beschränkt.

Richtig populär wurde der Daiquiri aber erst, nachdem Rear Admiral Lucius W. Johnson, der als Marinearzt in Santiago de Cuba stationiert war, sich 1909 für die Kreation von Cox begeisterte. Er führte den Drink schließlich im Army and Navy Clubhttps://en.wikipedia.org/wiki/Army_and_Navy_Club_(Washington,_D.C.) in Washington D.C. ein, was seiner Beliebtheit einen gewaltigen Schub gab.

Constantino (Constante) Ribalaigua Vert, der Besitzer der El Floridita Bar, brachte dem Daiquiri einen neuen Schub, indem er diesen nicht, wie bisher, im Shaker zubereitete und ohne Eis servierte, sondern mit Eis im Blender mixte.

Das war die Geburtsstunde des Frozen Daiquiri, der sich bis heute größter Beliebtheit erfreut und in allen Versionen mit verschiedensten Früchten gemixt werden kann.

Frozen Daiquiri

6 cl weißer Rum

2 cl frischer Limettensaft

1 TL Rohrzucker

1 dash Maraschino

Mit viel Eis blenden und mit einer Cocktailkirsche garniert servieren.

 

Einer der berühmtesten Trinker der Welt, Ernest Hemingway, war während seines Aufenthalts auf Kuba natürlich Stammgast in der El Floridita Bar. Er war allerdings der Meinung, daß die Mischung zu schwach war und verlangte eine Verdoppelung des Rumanteils. Und da Hemingway Diabetiker war, ließ Constantino den Zucker weg, wodurch ein sehr starker, saurer Drink entstand, von dem es heißt, daß Hemingway an einem Abend bis zu 15 Gläser (!) davon trank. Dieser kräftige Drink heißt in der Floridita Bar bis heute „E. Henmingway Special“ (man beachte die Schreibweise!).

Freilich konnte sich sonst kaum jemand für diese starke, saure Version begeistern, weshalb diese zum sogenannten Hemingway Daiquiri oder Papa Doble Daiquiri weiterentwickelt wurde:

Papa Doble Daiquiri

10 cl weißer Rum

3 cl Pink Grapefruit

2 cl Maraschino

3 cl frischer Limettensaft

1 TL Rohrzucker

Im Blender mit Eis mixen und im Margaritaglas mit einer Limettenscheibe servieren.

 

Wem dieser Drink zu stark ist, für den hält die Floridita Bar natürlich noch einen „normalen“ Floridita Daiquiri bereit, der früher natürlich mit Bacardi Carta Blanca, heute aber mit Havana Club zubereitet wird:

La Floridita Daiquiri:

6 cl Havana Club 3 Anos

1,5 cl Limettensaft

1 cl Maraschino

1 cl Rohrzucker

Alle Zutaten mit Eis blenden und ohne weitere Deko im Martiniglas servieren.

 

Hinzu kam, daß während des Zweiten Weltkriegs Whiskey und Vodka rationiert wurden, während Rum durch die von Franklin D. Roosevelt propagierte „Politik der guten Nachbarschaft“ (auch als „Pan-Amerika-Programm“ bekannt) mit Mittel- und Südamerika leicht zu bekommen war. Innerhalb weniger Jahre wurde Rum, der zuvor fast nur das Getränk der Seeleute gewesen war, im ganzen Land populär, und allenthalben fanden sich plötzlich mehr und mehr Rum-Cocktails auf den Getränkekarten von Bars und Restaurants.

So gehört der Daiquiri heute zu den beliebtesten Drinks in Bars weltweit, und es entwickelten sich in den letzten Jahren immer mehr Variationen, die entweder mit braunem statt mit weißem Rum gemixt werden, oder die durch Zugabe von verschiedenen Früchten eine ganz eigene, fruchtig-schmackhafte Note erhalten.

Doch auch wenn sich einiges in der Zubereitung geändert hat, die ursprünglichen Zutaten für den Daiquiri sind bis heute mehr oder weniger unverändert geblieben:

Weißer Rum: Zunächst Bacardi, der sich damals aber von dem heutigen Bacardic Carta Blanca ziemlich deutlich unterschied. Heute empfehlen sich weiße Rums von guter Qualität, die sich perfekt in den Drink einfügen, wie zum Beispiel Plantation 3 Stars. Es gibt aber auch eine Version mit braunem Rum, der so genannte Mulata Daiquiri, der in den 1940er Jahren von dem Bartender Jose Maria Vazquez oder von Constantino (Constante) Ribalaigua Vert in der El Floridita Bar in Havana erfunden wurde.

Limettensaft: Frisch gepresster Limettensaft ist natürlich unverzichtbar, wobei frühere Rezepte einfach den „Saft einer halben Limette“ verlangen. Da Limetten sich in Größe und Saftausbeute sehr unterscheiden können, werden heute meist 3 cl Limettensaft angesetzt (wobei der Saft einer halben Limette freilich eher 1,5 cl Saft entspricht).

Süßendes Element: In aller Regel wird hier Zucker verwendet, und zwar WEISSER Rohrzucker, bisweilen auch brauner Rohrzucker, Zuckersirup oder gar Honig oder süße Säfte, wie etwa Maracujasaft.

Grundrezept Daiquiri:

6 cl weißer Rum

2 cl frischer Limettensaft

1 TL weißer Rohrzucker

Shaken und mit einer Limettenspalte oder einer Cocktailkirsche servieren.

 

Daiquiri-Versionen:

Der bereits erwähnte Mulata Daiquiri wurde ursprünglich mit Bacardi Elexir gemixt, einem Likör, für dessen Herstellung Pflaumen in braunen Rum eingelegt wurden. Nachdem die Bacardi-Familie Kuba Anfang der 1970er Jahre verlassen musste, wurde die Herstellung von Bacardi Elexir beendet, und seitdem wird der Mulata mit Kakaolikör (oder bisweilen auch mit Kaffeelikör) hergestellt:

Mulata Daiquiri

5 cl brauner Rum

1 cl Crème de Cacao (braun)

1 cl Crème de Cacao (weiß)

3 cl Limettensaft

1 cl Zuckersirup

Alle Zutaten shaken und in ein geeistes Glas strainen.

 

Sehr bekannt ist auch der Beachcomber Daiquiri, auch einfach Beachcomber genannt, der freilich nicht, wie man meinen könnte, von Ernest Raymond Beaumont-Gantt, besser bekannt als Don the Beachcomber, in seiner Bar in Hollywood kreiert wurde, sondern von Vic Bergeron in seinem Trader Vic’s Restaurant, beschrieben in seinem 1947 erschienenen Buch „Trader Vic’s Bartender’s Guide„:

Beachcomber

6 cl weißer Rum

2,5 cl Triple Sec

2,5 cl frisch gepresster Limettensaft

2 dash Maraschino

1 cl Zuckersirup (optional)

Alle Zutaten mit viel Eis im Blender mixen.

In letzter Zeit werden fruchtige Daiquiris immer beliebter, wie zum Beispiel der Banana Daiquiri, dessen Erfindung dem britischen Kapitän George Soule zugeschrieben wird. Dieser war in der Mountain Top Bar auf der zu den Amerikanischen Jungferninseln gehörenden Insel St. Thomas im Jahre 1953 auf der Suche nach dem ultimativen tropischen Drink und mixte Cruzan Rum, Bananenlikör, frische Bananen, Rohrzucker und frischen Limettensaft, und der wahrscheinlich erste Frucht-Daiquiri war geboren:

Banana Daiquiri („Banaquiri“)

1 reife, geschälte Bananen

2 cl Wasser

2 cl Zuckersirup

9 cl brauner Rum

3 cl Bananenlikör

Saft einer halben Limette

Alle Zutaten im Blender mit Crushed Eis pürieren, bis eine dickflüssige Masse entsteht und dann im Tikiglas servieren.

Die nach einem Feuer wieder aufgebaute Mountain Top Bar in St. Thomas serviert nach eigenen Angaben nicht weniger als drei Millionen dieser Banana Daiquiris pro Jahr – allerdings in Plastikbechern an Touristen!

Fruchtige Daiquiris lassen sich ganz einfach herstellen, indem man dem oben angeführten Grundrezept jeweils eine entsprechende Menge der gewünschten Frucht beifügt, zum Beispiel Erdbeeren, Mangos, Ananas, Heidelbeeren oder welche Frucht auch immer, und das Ganze dann im Blender mit Eis mixt. Alternativ kann man auch Fruchtpüree fertig kaufen, zum Beispiel von Monin, und jeweils 4 cl zufügen, in diesem Fall genügt es, alle Zutaten zu shaken.

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

 

 

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