Wie Rum entsteht: Weißer Rum

Rum ist die wohl vielseitigste unter den sechs Grundspirituosen einer Bar: Im Gegensatz zu Whisky, Gin, Brandy, Tequila oder Vodka gibt es ihn in beinahe unendlichen Varianten, von weiß über gold bis hin zu braun, aus frischem Zuckerrohrsaft oder aus Melasse hergestellt, destilliert in Pot Still-Anlagen oder in einer Säulenbrennanlage, in Eichenfässern gereift oder nicht gelagert, im Solera-Verfahren gealtert oder in Bourbonfässern gereift, in Cognacfässern nachgereift, aromatisiert oder nicht aromatisiert, und…und…und…!

Doch abgesehen davon, ob der Rum aus Melasse oder aus frischem Zuckerrohrsaft gebrannt wurde, hängt alles andere von der weiteren Verarbeitung ab, denn aus der Destille kommt immer eine frische, hochprozentige und völlig farblose Spirituose, die mit dem Rum, wie wir ihn lieben, noch recht wenig zu tun hat. Wie die Verarbeitung vor sich geht, hängt davon ab, welche Art von Rum es werden soll. Hier sprechen wir zunächst über den weißen Rum:

Weißer Rum wird im englischen Sprachraum als White Rum oder Silver Rum, bisweilen auch als Light Rum bezeichnet, auf den französischen Antillen heißt er Rhum blanc, und in den Spanisch sprechenden Ländern Mittel- und Südamerikas ist er als Ron Blanco bekannt. Es handelt sich um die farblose Variante des Rums, die am häufigsten zum Mixen verwendet wird.

Zwei Möglichkeiten gibt es zur Erzeugung eines solchen Rums:

(I) Entweder wird das Rohdestillat, das aus einer Kolonnen-Destillieranlage mit einer oder mehreren Brennsäulen stammt, einfach nur mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt und dann direkt abgefüllt – das ist die einfachste und am häufigsten angewandte, weil billigste, Methode. Alternativ kann er auch für einige Wochen oder wenige Monate in neutralen Holzfässern oder Edelstahltanks gelagert, um etwas harmonischer zu werden. Praktisch alle bekannten weißen Rums großer Marken werden so hergestellt, eine Reifung ist nicht nur überflüssig, sondern sogar überhaupt nicht erwünscht, da sie den Geschmack ebenso wie die Farbe des Rums verändern würde. Solche Rums stammen aus einer Brennerei und werden im allgemeinen nicht mit Destillaten anderer Brennereien verschnitten. Sie sind im Charakter eher leicht und deshalb gut zum Mixen geeignet, verändern die Farbe eines Drinks nicht, geben ihm aber den besonderen Rum-Touch, den wir an vielen Cocktails lieben. Pur werden diese Rums außerhalb der Karibik eher selten getrunken. – In ihren Herkunftsländern jedoch werden sie gerne als „shot“ genommen, gefolgt von einem Glas Wasser.

Bessere Qualitäten werden nicht sofort abgefüllt und auf den Markt gebracht, sondern einer Reifung in Eichenfässern unterzogen, die sich bei manchen Sorten, wie etwa beim Flor de Cana 4 Anos bis zu vier Jahre hinziehen kann. In dieser Zeit hat die Rohspirituose die Möglichkeit, sich unter dem Einfluss des Holzes positiv zu verändern, sie wird harmonischer und erhält einen prägnanteren Charakter mit zusätzlichen geschmacklichen und olfaktorischen Elementen, die einen mit ihnen zubereiteten Drink dann auch aufwerten können. – Die während der Reifezeit im Fass unvermeidbare farbliche Veränderung wird vor der Abfüllung durch Holzkohle-Filterung wieder entfernt, wodurch solche Rums ebenso klar sind, wie die völlig ungereiften. Auch solche Rums werden in erster Linie zum Mixen verwendet.

Generell kann man sagen, daß ein weißer Rum die ursprünglichen Aromen des Zuckerrohrs am reinsten wiedergibt, da diese nicht durch den Einfluß des Holzes gewissermaßen „verfälscht“ wurden. Dies gilt natürlich ganz besonders für den so genannten „Rhum agricole“ der französischen Antillen, der aus frischem Zuckerrohrsaft (virgin cane honey) gebrannt wurde. Der Mindestalkoholgehalt beträgt 37,5%, was genau der Stärke der beiden am weitesten verbreiteten weißen Rums entspricht, dem Bacardi Superior und dem Havana Club Anejo Blanco.

Die meisten Rum-Cocktails der Welt werden mit einer dieser beiden Marktführer gemixt, doch wer sich auf diese beschränkt, dem entgeht eine ganze Welt des Geschmacks, die erst durch hochwertige weiße Rums erschlossen wird, die nicht zu den Industrie-Rums gehören! Hier sollen zunächst nur wenige Beispiele aufgeführt werden:

Flor de Cana Extra Seco 4 Anos, Nicaragua

Ron Caney 3 Anos Carta Blanca, Cuba

Appleton White Classic, Jamaica

Green Island Superior Light, Mauritius

SelvaRey White Rum, Panama

Brugal Titanium, Dominikanische Republik

Barbancourt White Rhum, Haiti

Cruzan Light Aged, St. Croix

Alle diese weißen Rums gehören zur Spitzenklasse und ergeben ganz hervorragende Cocktails, wobei jeder für sich selbst herausfinden muß, welcher sein persönlicher Spitzenreiter ist – und selbstverständlich passt nicht jeder Rum für jeden Cocktail. Es gibt also jede Menge Gründe zum Probieren!

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

 

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