Dubonnet – ein königlicher Aperitif

Jüngeren Bargängern in Deutschland wird „Dubonnet“ wohl gar kein Begriff mehr sein, ist dieser hervorragende Aperitif doch in den letzten zwei Jahrzehnten ziemlich aus der Mode gekommen. In seiner Heimat Frankreich jedoch erfreut er sich nach wie vor großer Beliebtheit, und in Großbritannien gilt er gar als „bevorzugter Aperitif der Oberklasse“, ist er doch (in Verbindung mit Gin, dazu später mehr) das Lieblingsgetränk von Königin Eliesabeth II. und der inzwischen verstorbenen Queen Mom.

Es wäre an der Zeit, dass dieses feine Getränk wieder den ihm zustehenden Platz in unseren Bars einnimmt, ist der Dubonnet doch nicht „nur“ ein hervorragender Aperitif, der den Magen auf die bevorstehende Mahlzeit einstimmt und zugleich, wie wenige andere Getränke, die soziale Funktion des Aperitifs betonen kann. – Nein, er eignet sich auch hervorragend zum Mixen und sollte schon allein deshalb in einer klassischen Bar nicht fehlen!

Zur Geschichte des Dubonnet:

Kreiert wurde dieser zu den Vermouths zählende Aperitif von Joseph Dubonnet (1818-1871) im Jahr 1846, nachdem die französische Regierung einen Wettbewerb ausgelobt hatte mit dem Ziel, ein Getränk zu erfinden, welches gegen die Malaria hilfreich sei. Diese setzte nämlich den in Nordafrika stationierten Soldaten der erst wenige Jahr zuvor gegründeten Fremdenlegion sehr zu. Chinin war zu jener Zeit schon als Allheilmittel gegen die Symptome dieser durch Stechmücken übertragenen Krankheit bekannt, wegen seines äußerst bitteren Geschmacks jedoch alles andere als „palatabel“, weswegen die Legionäre nur widerstrebend dazu zu bringen waren, ihre tägliche Ration einzunehmen.
Joseph Dubonnet, ein in der Nähe der späteren Oper Garnier in Paris ansässiger Chemiker und Likörhersteller, verwendete verschiedene Grundweine aus seinem Lager und präsentierte schließlich das von ihm „Quinquina Dubonnet“ genannte Getränk, bei dem es sich im Prinzip um einen mit Chinin angereicherten Vermouth handelte, und gewann damit prompt den ersten Preis. Es war ihm nämlich gelungen, den extrem bitteren Geschmack durch die Zugabe verschiedener Kräuter und kräftiger Gewürze so zu maskieren, daß er praktisch gar nicht mehr auffiel.
Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält, denn der Dubonnet traf genau den Geschmack der Menschen, war er doch nur noch leicht bitter, aber extrem bekömmlich, weshalb er sich auch bei der besseren Gesellschaft in Frankreich selbst bald größter Beliebtheit erfreute. Der für damalige Zeiten revolutionäre Werbespruch „Dubo – Dubon – Dubonnet“ (frei übersetzt: „Schön, gut, Dubonnet“) und eine moderne Marketingstrategie mit Plakaten, Schildern und Werbeanzeigen in Zeitschriften und Barbüchern trugen ebenfalls zum Erfolg der Marke bei. Die Marke war so erfolgreich, daß schon 1915 in Zeitungsanzeigen davor gewarnt wurde, gefälschten Dubonnet zu kaufen!


Seit 1976 gehört Dubonnet zum Portfolio des Spirituosen-Riesen Pernod-Ricard.

Wie Dubonnet hergestellt wird:

Produziert wird der rote Dubonnet aus Most der Rebsorten Grenache Noir und Carignan sowie Muscat, Grenach Blanc und Macabeu für den weißen Dubonnet. Die Gärung dieser Moste wird an einem bestimmten Punkt durch die Zugabe von Neutralalkohol (96%) gestoppt, um die fruchtigen Aromen nicht zu zerstören. Es ist dies dasselbe Verfahren, mit dem man gemeinhin Likörweine, wie etwa Portwein, herstellt.
Der so erzielte, starke, weiße bzw. rote Likörwein wird mit weißen Grundweinen verdünnt, die von geringem Eigengeschmack sind und trocken und ein wenig sauer sein müssen. Diese Mischung wird dann zur Reifung für die Dauer von über einem Jahr in Eichenfässern gelagert. Im letzten Herstellungsschritt lässt man dann verschiedene Kräuter und Gewürze in diesem Wein mazerieren und fügt Chinin hinzu. Die genaue Zusammensetzung der Zugaben ist freilich ein streng gehütetes Geheimnis des Herstellers.
Heute ist Dubonnet vor allem in der roten Version, also Dubonnet Rouge, mit einem Alkoholgehalt von 14,8% zu finden. In dieser Version ist er auch Bestandteil einer ganzen Reihe klassischer Cocktails. Sehr selten findet man die weiße Version, genannt Dubonnet Blanc, früher auch als „Dubonnet Dry“ bekannt, der 16% Alkoholgehalt aufweist.


In den USA wird ebenfalls ein Aperitif unter dem Namen Dubonnet verkauft, hergestellt wird dieser allerdings in den USA von der Firma Heaven Hill in Kentucky, die 1993 die Namensrechte für den amerikanischen Markt erwarb. Es erübrigt sich schon fast, zu erwähnen, daß dieser mit dem französischen Original nicht viel mehr als den Namen gemein hat.

Wie schmeckt Dubonnet und wie trinkt man ihn?

Als echten Aperitif trinkt man Dubonnet pur auf Eis, hier kommt seine leichte Süße mit einem Hauch von Bitterkeit am besten zur Geltung, umrahmt von einer feinen schokoladigen Note, die am Gaumen von Hinweisen auf Orangen und Kaffee abgelöst wird. Sehr lecker auch aufgegossen mit Bitter Lemon!

Dubonnet in Cocktails:

Versailles Club
(La Florida, Cuba)
4 cl Cognac
4 cl Dubonnet
1 TL Curacao
Auf Eis rühren und im geeisten Martiniglas servieren

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Dubonnet Cocktail
(auch bekannt als Zaza Cocktail)
6 cl Gin
2 cl Dubonnet
Auf Eis rühren und im Martiniglas mit Zitronenschale servieren
Königin Eliesabeth II. nimmt diesen gerne „on the rocks“ im Tumbler

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Dandy Cocktail
(Harry Craddock, Savoy Cocktail Book)
6 cl Bourbon
6 cl Dubonnet
2 cl Triple Sec
1 dash Angostura
Rühren und im Martiniglas mit Zitronen- und Orangenschale servieren

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Moonraker #2
(Trader Vic’s Bartender’s Guide)
2 cl Brandy
2 cl Dubonnet
2 cl Pfirsichschnaps
1 dash Pernod
Auf Eis rühren und im geeisten Martiniglas servieren

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Alfonso
Zur Erinnerung an den spanischen König Alfonso XIII.
2 cl Dubonnet
1 Zuckerwürfel
4 dash Angostura
Champagner
Zuckerwürfel mit Angostura tränken und zusammen mit dem Dubonnet
in einen Champagnerkelch geben. Mit Champagner auffüllen.
Im Prinzip also eine Version des bekannten Champagner Cocktails!

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 Goody-Goody
(Café Royal Cocktail Book)
6 cl Gin
3 cl Dubonnet
1 cl Zitronensaft
1 cl Chartreuse Jaune
Shaken und in Martiniglas strainen.
Mit Zitruszeste garnieren

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

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