Die British Royal Navy und der Rum

Ursprünglich war Bier Bestandteil der täglichen Verpflegungsration jedes Seemanns der Royal Navy. Dies sollte sich ändern, nachdem Großbritannien seine Seemacht bis in die Karibik (und darüber hinaus) ausgedehnt hatte und englische Pflanzer große Zuckerrohrplantagen auf den so genannten West Indies anlegten und einen Teil des gewonnenen Zuckers zu Rum destillierten.

Rum hatte gegenüber dem Bier zwei entscheidende Vorteile: Er verdirbt nicht und benötigt wesentlich weniger Stauraum als Bier – und er konnte zur Desinfektion von Wunden sowie als „Anästhetikum“ bei den immer wieder notwendig werdenden Amputationen nach Kriegsverletzungen dienen!

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ersetzte Rum schrittweise das Bier, und jeder Seemann (nicht aber die Offiziere) bekam das Anrecht auf eine tägliche Ration („tot“) Rum von 95,5 proof Stärke (britische Proof, entsprechend ungefähr 55% Alkohol).

Der hierfür benötigte Rum stammte überwiegend aus Jamaica, Trinidad & Tobago sowie von den British Virgin Islands und wurde in einem eigenen, schön verzierten Eichenfass mit Messingbändern, dem „Rum Tub“ gelagert.

Zwischen 11:00 Uhr vormittags und Mittag wurde der tägliche „tot“ von einem Unteroffizier ausgegeben, die Ration belief sich auf ein halbes Imperial Pint, entsprechend 284 ml, den Zeitraum der Rum-Ausgabe nannte man „up spirits“. Ausgegeben wurde der Rum in speziell dafür reservierten Gläsern, die eigens aufbewahrt wurden. Die Gläser wurden nach Gebrauch außen gespült, niemals aber im Innern, da man dachte, daß auf diese Weise die Ration noch stärker würde.

Ab 1756 wurde von Admiral Edward Vernon angeordnet, daß die tägliche Ration Rum mit Wasser und Zitronen- oder Limettensaft versetzt werden solle, um den Rum bekömmlicher zu machen und gleichzeitig gegen die Vitaminmangelkrankheit Skorbut vorzubeugen – damit war der „Grog“ geboren, und Lord Vernon erhielt den Spitznamen „Old Grog“.

1970 wurde auf Befehl von Admiral Peter Hill-Norton der tägliche tot Rum abgeschafft, natürlich sehr zum Leid der britischen Seeleute. Der Admiral war nämlich der Meinung, daß alkoholisierte Seeleute mit den zunehmend komplexer werdenden Maschinen und Gerätschaften der Schiffe nicht mehr zurecht kämen.

So wurde die letzte Rum-Ration am 31. Juli 1970 ausgegeben, der seither als „Black Tot Day“ bekannt ist – und viele Seeleute warfen ihr Rumglas an diesem Tag in einer symbolischen „Seebestattung“ ins Meer.

Überlebt haben aber nicht nur die riesigen Rum-Lager, welche die Royal Navy in vielen Häfen der Welt angelegt hatte (dazu später mehr), sondern auch der Brauch des Toasts, mit welchem man auf das Wohl anstieß.

Bis heute wird im Royal Navy Tot Club of Antigua & Barbuda der tägliche tot Rum von folgenden Toasts begleitet:

Sonntag: Absent friends

Montag: Our ships at sea

Dienstag: Our men

Mittwoch: Ourselves (as no one else is likely to concern themselves with our welfare)

Donnerstag: A bloody war or a sickly season (as a promotion can only be obtained in dead men’s shoes)

Freitag: A willing foe and a sea room

Samstag: Sweethearts and wives (may they never meet)!

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

3 Gedanken zu “Die British Royal Navy und der Rum

    1. Etwa 97% allen Rums der Welt wird eben NICHT aus Zuckerrohrsaft destilliert, sondern aus Melasse, einem „Abfallprodukt“ bei der Zuckerherstellung…

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