Swizzles – Drinks der besonderen Art

Quararibea turbinata ist ein zu den Malvengewächsen gehörender niedriger Baum, der auf den meisten karibischen Inseln heimisch ist. Dieser Baum hat die Eigenart einer sternförmigen Verästelung seiner Zweige, weshalb er im englischen Sprachraum auch als swizzlestick tree („Rührstäbchenbaum„) bekannt ist: Schneidet man die Zweige direkt über einer solchen Verzweigung ab, entsteht ein hervorragender Holzquirl mit nach allen Seiten abstehenden Ästchen, mit welchem sich Flüssigkeiten sehr schnell und effektiv vermischen lassen, wenn man ihn zwischen beiden Händen schnell hin- und herdreht.

Bereits sehr früh erkannte man auf den Westindischen Inseln die Brauchbarkeit dieses Quirls zum Mixen von Drinks mit Rum – der in der Karibik allenthalben vorhandenen Spirituose. „Professor“ Jerry Thomas mutmaßte, daß der Begriff Swizzle sich von Switchel ableitet, einem bereits im späten 17. Jahrhundert in der Karibik beliebten Drink, der aus Honig, Essig, Zucker, Wasser und später auch Rum oder Gin gemischt wurde – und da der Shaker noch nicht erfunden war, behalf man sich eben mit diesem Quirl, wodurch ein bisweilen sogar schaumig gerührtes Mixgetränk entstand.

Der Rum Swizzle ist bis heute der bekannteste Vertreter dieser Art von Mixgetränken, die heute – wie die meisten anderen Drinks auch – einfach zu den Cocktails gezählt werden. Er wurde wohl auf der Karibikinsel Saint Kitts kreiert, wenn man den Ausführungen von Edward Randolph Emerson in seinem Buch „Beverages Past and Present“ aus dem Jahre 1908 folgt. Dabei vergessen wir aber nicht, daß Swizzles sich bereits großer Beliebtheit erfreuten, bevor die ersten „Cocktails“ überhaupt erfunden wurden! – Und die Beliebtheit der Swizzles hielt auch nach der Erfindung des Shakers noch viele Jahre an, so wird berichtet, daß auf der ersten Cocktailparty der Welt, die 1924 in London von dem Schriftsteller Alec Waugh gegeben wurde, ausschließlich Swizzles gereicht wurden!

Generell handelt es sich bei Swizzles um Mixgetränke aus mindestens einer Spirituose, Zucker oder Sirup und Wasser, meist ergänzt durch Fruchtsäfte und Bitters. Zur Herstellung eines solchen Drinks werden alle Zutaten mit viel Crushed Ice in einem Mixglas mit eben dem genannten Holzquirl (der heute freilich meist aus Kunststoff oder Metall ist) verquirlt und dann in einem Highballglas oder einem Tumbler auf Eis serviert. Besonders wichtig dabei ist, daß man den Drink so lange quirlt, bis das Glas auf der Außenseite mit einer dünnen Eisschicht bedeckt ist und so einen eiskalten Genuss garantiert. Dekoriert wird mit Ananas, Cocktailkirschen und anderen Südfrüchten nach Belieben und Verfügbarkeit. Von den beliebten Tiki-Drinks, mit welchen sie die meisten Zutaten gemeinsam haben, unterscheiden sich die Swizzles also in erster Linie durch das aufwendige Verquirlen mit dem Swizzle Stick!

Damit sind Swizzles der ideale Drink für heiße Tage, sie bieten die perfekte Melange aus fruchtigen und erfrischenden Zutaten, verfeinert durch Zucker und „verstärkt“ durch einen guten Schuss Rum! Sie beschwören das Bild einer von Palmen umgebenen Strandbar auf einer tropischen Insel inmitten des blauen Meeres herauf – wer möchte da nicht dabei sein?

Grundrezept Rum Swizzle:

6 cl goldener Rum (z.B. Mount Gay Eclipse)

1 TL weißer Zucker

2 cl Limettensaft, frisch gepresst

6 dash Angostura Bitters

 

Etwas üppiger kommt der berühmte Bermuda Rum Swizzle daher:

5 cl Gosling’s Gold Rum

6 cl Orangensaft

6 cl Ananassaft

1 dash Grenadine

2 dash Angostura Bitters

2 cl Gosling’s Black Seal Rum

Alle Zutaten außer dem Black Seal Rum werden mit dem Swizzle Stick kräftig verquirlt, bis die Außenseite des Glases von einer dünnen Eisschicht überzogen ist. Danach wird der Black Seal Rum obenauf gefloated. Garniert wird mit Südfrüchten nach Belieben.

 

Noch erfrischender und würziger ist freilich der Kona Rum Swizzle:

6 cl Spiced Rum No. 5*

2 cl Orgeat Sirup

3 cl Limettensaft, frisch gepresst

1 cl Zuckersirup

4 Minzezweige

2 dash Peychaud’s Bitters

1 dash Angostura Bitters

(*: Das Rezept für die Herstellung von Spiced Rum No. 5 folgt im nächsten Blog! – Auf keinen Fall darf hierfür der Captain Morgan Spiced Rum verwendet werden…)

Für den Kona Rum Swizzle werden die Minzeblätter zunächst mit einem Mudler in einem Highballglas leicht zerdrückt. Danach werden alle anderen Zutaten außer den beiden Bitters zuerst in einem Shaker gut geschüttelt und dann mit viel Crushed Ice zur zerdrückten Minze ins Glas gegeben, wo alles mit dem Swizzle Stick so lange kräftig gequirlt wird, bis die Außenseite des Glases von einer dünnen Eisschicht überzogen ist. Zum Schluß kommt noch mehr Crushed Ice obendrauf, die Bitters bilden den Abschluß. Garniert wird mit einem Minzezweig.

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

 

 

 

 

 

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