Harry Craddock über den Cocktail

Harry Craddock gibt in seinem berühmten Mixbuch „The Savoy Cocktail Book“ (erschienen 1930) die folgende Geschichte über den Ursprung des Begriffs „Cocktail“ wieder:

Die meisten Menschen, die man an Orten trifft, wo Cocktails wachsen, sind der Meinung, daß sie wissen, woher der Begriff „Cocktail“ kommt. Alle sind jedoch nicht derselben Meinung, und auf jeden Fall liegen sie alle falsch, da sie alle den Ursprung des Wortes in die Zeit vor 60 oder 70 Jahren legen. Doch wir lesen in der amerikanischen Zeitschrift „The Balance„, Ausgabe vom 13. Mai 1806: „Cocktail ist ein anregendes geistiges Getränk, das aus Spirituosen aller Art, Zucker, Wasser und Bitters hergestellt wird. Man nennt es gemeinhin „Bittered Sling“ und sieht in ihm einen ausgezeichneten Zaubertrank“ – Das ist die früheste Erwähnung des Wortes „Cocktail“, die ich in schriftlicher Form finden konnte.

Historiker sind durch die Bezeichnung „Cocktail“ dahin gehend in die Irre geführt worden, daß sie glaubten, sie habe etwas mit dem Federkleid des heimischen Hahnes zu tun. Aber dem ist nicht so. Die wahre, authentische und unwiderlegbare Geschichte des Ursprungs des Wortes Cocktail ist folgende:

Irgendwann zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts kam es zu ernsthaften Zusammenstößen zwischen den Armeen der amerikanischen Südstaaten und Königs Axolotl VIII. von Mexiko. Es kam zu einigen Scharmützeln und ein oder zwei Kämpfen, aber schließlich einigte man sich auf eine Waffenruhe und der König willigte ein, den amerikanischen Südstaaten-General zu Friedensverhandlungen zu treffen.

Als Schauplatz des Treffens wurde der Pavillon des Königs auserkoren, wohin sich der amerikanischen General begab, um dort einen Platz auf einer Bank direkt neben König Axolotl Platz zu nehmen. Vor dem eigentlichen Beginn der Verhandlungen fragte seine Majestät allerdings den General, direkt von Mann zu Mann, ob er einen Drink haben möchte, und als amerikanischer General sagte dieser natürlich nicht nein. Der König gab also einen Befehl, und nach wenigen Augenblicken erschien eine junge Frau von bezaubernder und überwältigender Schönheit, die in ihren schlanken Händen einen goldenen, mit Rubinen verzierten Becher hielt, der ein kräftiges Getränk enthielt, das sie selbst hergestellt hatte.

Auf der Stelle verstummte die ganze anwesende Menge, in welcher jeder denselben Gedanken hatte: Da nun einmal nur ein einziger Becher vorhanden war, würde nun der König oder der General zuerst davon trinken, was natürlich den anderen beleidigen würde.

Die Situation wurde immer kitzliger, als die Trägerin des Bechers sich des Ernstes der Lage bewusst wurde. In diesem Augenblick neigte sie mit einem süßen Lächeln ihren schönen Kopf vor den Anwesenden und trank den Becher selbst aus.

Auf diese Weise wurde die Situation gerettet und die Verhandlungen konnten zu einem befriedigenden Ergebnis geführt werden. Doch bevor der General sich entfernte, fragte er den König, ob er den Namen der schönen Frau erfahren dürfe, die sich so taktvoll verhalten hatte. „Das“ sagte der König, der die junge Dame nie zuvor gesehen hatte, voll Stolz, „ist meine Tochter Coctel!“

Schön“ antwortete der General, „ich werde dafür Sorge tragen, daß ihr Name auf ewig in meiner Armee geehrt wird!“

Aus „Coctel“ wurde natürlich „Cocktail„, und das ist die ganze Geschichte, für deren Wahrheitsgehalt es eindeutige und unzweifelhafte Beweise gibt.

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost auf die schöne Coctel!

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