Die Prohibition (II): Das Volk schlägt zurück!

Ab Anfang 1920 saß die US-Bevölkerung wegen der Prohibition im wahrsten Sinne des Wortes „auf dem Trockenen“: Alkoholische Getränke waren nur auf illegalem Wege zu beschaffen, solange man sich innerhalb der Jurisdiktion der Vereinigten Staaten von Amerika befand.

Und genau hier eröffnete sich für halbwegs wohlhabende Amerikaner ein völlig legaler Weg, ihren Durst zu befriedigen: Man mußte nur das Hoheitsgebiet der USA verlassen, und schon konnte man ohne Bedenken seinen Cocktail sowie jedwede andere alkoholische Getränke genießen!

Und man mußte dazu nicht unbedingt nach Europa reisen (was damals eine lange Seereise bedeutet hätte…), nein, es genügte, sich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zu begeben, das die Zwölf-Meilen-Zone (die ursprünglich nur eine Drei-Meilen-Zone gewesen war) verließ, und sei es nur für einen Nachmittag!

Praktisch alle damaligen Kreuzfahrtschiffe gehörten europäischen Reedereien, und diese reagierten flugs auf die durstigen Wünsche ihrer Passagiere, indem sie auf ihren Schiffen eigene Bars einrichteten, die freilich ihre Pforten erst öffneten, sobald man die Hoheitsgewässer der prüden Antialkoholiker verlassen hatte.

Beliebte Reiseziele, die innerhalb weniger Tage erreicht werden konnten, waren die karibischen Inseln, allen voran Kuba und Jamaica, aber auch Curacao und die meisten anderen der vielen Karibikinseln wurden zum Mekka amerikanischer durstiger Seelen, die jede Gelegenheit nutzten, um fern von der Heimat und ihren langweiligen alkoholfreien Getränken richtig zu feiern. – Man kann sogar sagen, daß die Beliebtheit der Karibik als Urlaubsziel ihren Ursprung in der Prohibition hat!

Gleichzeitig wurden die Fachleute hinter den Tresen europäischer Bars immer innovativer: Da vielerlei Zutaten, welche amerikanische Barkeeper ihren Drinks früher zugesetzt hatten, gar nicht oder nur sehr schwer erhältlich waren, machten sie aus der Not eine Tugend und entwickelten eine Kreativität, die sich auf die Entwicklung des Cocktails sehr segensreich auswirken sollte.

Besonders die United Kingdom Bartenders‘ Guild, die Vereinigung britischer Bartender, stellte sich an die Spitze dieser Entwicklung, die ihren Niederschlag auch in einer wachsenden Zahl neuer Mix- und Cocktailbücher fand. Und auch die noch in den Kinderschuhen steckenden Medien, allen voran das Radio, aber auch die sich entwickelnde Filmindustrie, propagierten alkoholische Mixgetränke als tägliche Selbstverständlichkeit und symbolisierte das Leben in einer bessern Welt.

Besonders gerne fuhren durstige Amerikaner über Silvester nach Kuba, um dort das neue Jahr (das hoffentlich das baldige Ende der Prohibition bringen würde…) mit einigen guten Drinks zu begrüßen. Dies führte auch zur wachsenden Beliebtheit des Rums als vielseitige Grundlage für die verschiedensten Cocktails – vom Daiquiri über den Knickerbocker à la Monsieur bis hin zum Twelve Mile Limit, dessen Bezeichnung von der 12-Meilen-Zone herrührte, die es zu verlassen galt, wollte man ihn genießen!

Twelve Mile Limit

3 cl weißer Rum

2 cl Rye-Whiskey

2 cl Brandy

2 cl Grenadine

2 cl Zitronensaft

Als Garnitur dient eine Zitruszeste

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.