Der Genever – Vater des Gins

Der Genever (niederländisch: „jenever“ bedeutet nichts anderes als „Wacholder“) ist ein traditioneller Wacholderschnaps, der sich Ende des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden und Belgien aus dem „korenbrandewijn“ („Kornbranntwein“) entwickelte. Damit gehört der Genever zu den ältesten Spirituosen der Welt – und er war auch die erste Spirituose, die mit einer Steuer belegt wurde: Schon 1606 führte die niederländische Regierung eine Jenever-Steuer ein!

Gebrannt wurde der Genever aus so genanntem „Malzwein“ („moutwijn“), also aus Roggen- oder Gerstenmalz. Da freilich zu jener Zeit die Destillationstechniken noch nicht sehr ausgereift waren, fügte man dem Ergebnis zur Geschmacksverbesserung Wacholder zu, der damals zur Aromatisierung sehr beliebt und außerdem leicht erhältlich war. Vom lateinischen Namen des Wacholders, Juniperus, leitet sich denn auch der Name jenever, englisch juniper, französisch genièvre, ab, und natürlich der deutsche Name Genever.

Der Genever wurde bald so beliebt, daß sich richtige Produktionszentren entwickelten, so vor allem im niederländischen Schiedam, direkt westlich von Rotterdam, und im belgischen Hasselt, das etwa auf halbem Wege zwischen Antwerpen und Aachen liegt. Besonders Schiedam lebte 300 Jahre, zwischen dem Bau der ersten Jenever-Brennerei 1590 und dem Niedergang der Geneverindustrie um 1890, hauptsächlich von der Produktion des Wacholderschnapses, nicht weniger als 180 dieser Brennereien gab es einst!

Heute existieren in Schiedam, wo es die höchsten Windmühlen der Welt gibt, gerade noch vier Genever-Brennereien (wenn ich mich nicht verzählt habe…), die mittelgroße Stadt lebt in erster Linie vom Schiffsbau und vom Tourismus, wobei das Nationaal Jenever Museum ein unbedingtes Muß ist. Immerhin befindet sich hier mit de Kuyper der weltgrößte Hersteller von Cocktaillikören, der seit 1695 auch Jenever produziert und königlicher Hoflieferant ist! Mit der 1691 gegründeten Firma Nolet findet man hier auch ein seit mehr als 300 Jahren florierendes Familienunternehmen, das in den letzten Jahren vor allem durch die Produktion von außergewöhnlich hochwertigem Gin, Nolet’s Silver und Nolet’s Reserve, von sich reden macht und erkannt hat, daß Gin sich weltweit besser verkaufen läßt als sein Vorfahre, der Genever, der im Wesentlichen bis heute eine regional beliebte Spezialität geblieben ist.

Im belgischen Hasselt, das mit 75.000 Einwohnern etwa gleich groß ist wie Schiedam, begann eine nenneswerte Jenever-Herstellung erst im frühen 18. Jahrhundert, dafür befindet sich hier auch hier ein Nationaal Jenevermuseum Hasselt, wo bewiesen werden soll, daß hier bereits im 13. Jahrhundert (!) Genever destilliert worden sei. – Neben diesen beiden Orten werden auch Amsterdam und Delft als jeneversteden („Geneverstädte“) bezeichnet, auch wenn die EU insgesamt elf Gebieten eine geschützte Herkunftsbezeichnung (AOC) für Genever ausgewiesen hat.

Den Genever kennen die meisten von uns lediglich als Vorläufer des Gins, und tatsächlich war es Wilhelm III. von Oranien, Statthalter der Niederlande und ab 1689 König von England, Irland und Schottland, der den Wacholderschnaps auf den britischen Inseln populär machte – wo er dann als „Gin“ seinen Siegeszug um die Welt antrat. Dennoch ist auch der Genever sehr vielfältig und auf jeden Fall einen Versuch wert – wie wir bald sehen werden!

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