Der Durst nach Qualität

Jeder von uns hat es schon einmal erlebt: Man bestellt in einer Bar – die velleicht sogar sehr elegant eingerichtet ist – einen Drink, und freut sich auf den Genuss in spe. Doch wenn das Getränk serviert wird, tritt rasch Ernüchterung ein, wenn die Qualität im Glase so gar nicht das Versprechen einlöst, das die hochwertige Umgebung so vollmundig in den Raum stellte!

Woran mag das liegen? – Grundsätzlich gibt es da nur zwei Möglichkeiten: Entweder versteht der Mann (oder auch die Frau) hinter der Bar sein Geschäft nicht, was leider nur allzu oft der Fall ist, oder es werden billige Zutaten, vor allem Spirituosen verwendet, weil die Geschäftsleitung nur die Gewinnmaximierung im Auge hat. Zweifelsohne kann auch eine solche Bar wirtschaftlich erfolgreich sein, weil sie entweder eine so grandiose Lage hat, daß die Laufkundschaft sich die Klinke in die Hand gibt und Qualität gar nicht gefordert wird – wer wird sich am Times Square in New York schon über solche Petitessen wie einen mißlungenen Cocktail ernsthaft beschweren?

Und dann ist es leider oft genug so, daß die Gäste in einer Bar Qualität im Glase gar nicht erkennen KÖNNEN, weil sie ein Leben lang nur schlechte Drinks gewöhnt sind. Dies wird dann auf die Spitze getrieben, wenn solche Gäste sich über einen erstklassigen Cocktail beschweren, weil er „nicht nach Schnaps schmeckt„! – Der beste Bartender wird sich dann irgendwann denken: Naja, die haben es eh nicht anders verdient…!

Doch es geht auch ganz anders, wenn BEIDE Seiten, also sowohl der Bartender als auch die Kundschaft, sich eines einzigen Grundsatzes bewusst sind, der unumstößlich auf dem obersten Regal jeder Bar stehen sollte:

ES KANN AUS EINEM GLAS NUR DAS HERAUSKOMMEN, WAS MAN ZUVOR HINEINGETAN HAT!

Klingt eigentlich ganz einfach, oder? – Die Praxis sieht leider oft ganz anders aus, und wirtschaftliche Zwänge bestimmen nicht selten, was ins Glas hineinkommt: Da kann es schon sein, daß selbst leidenschaftliche Bartender (ja, davon gibt es etliche! ) öfter zu einer billigeren Spirituose greifen, als sie eigentlich vor ihrer Berufsehre verantworten können. Zumal der weit verbreitete Unfug der „Happy Hour“ zwingt ja beinahe zur Verwendung billigerer Zutaten, wenn die Bar dabei nicht draufzahlen soll.

Doch wie erkenne ich als Gast, ob der Cocktail mit guten Spirituosen komponiert wurde? – Nun, da ist zwar manchmal einige Erfahrung nötig, doch selbst der Laie in Sachen Cocktail hat zumindest EINEN leicht zu erkennenden Anhaltspunkt, der mit absoluter Sicherheit auf eine schlechte Qualität hinweist:

WENN EINEM AUS DEM COCKTAILGLAS EIN STECHENDER ALKOHOLISCHER GERUCH ENTGEGENSCHLÄGT, IST BILLIGSPRIT VERWENDET WORDEN! ! !

Ohne Wenn und Aber! – Auch wenn gerade jüngere Gäste der Meinung sind, daß ein Cocktail förmlich nach Schnaps zu stinken hat. In diesem Fall ist das Fingerspitzengefühl des Bartenders gefragt, der viel Überzeugungsarbeit leisten muß – und wer als Gast nicht völlig beratungsresistent ist, der wird es ihm auch danken – vielleicht nicht sofort, aber im Laufe der Zeit !

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

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