Cuba Cocktail Time (II): Bacardi

Im zweiten Abschnitt aus dem Buch von Basil Woon „When it’s Cocktail Time in Cuba“ aus dem Jahre 1928 berichtet der Autor, wie die Fledermaus zum Rum kam:

„Im Jahre 1838 siedelte sich ein aus Katalonien stammender Spanier namens Bacardí in Santiago de Cuba an und begann mit der Destillation von Zuckerrohrsaft in einer kleinen Baracke, die zugleich seine Brennerei wie sein Heim war.

Sein Erzeugnis wurde als qualitativ hochwertiger angesehen als die anderen Rums der Westindischen Inseln, weil Facundo Bacardí in einem geheimen Verfahren die Farbe des Rums von dem (üblichen) dunkelbraun zu einer hellen Bernsteinfarbe veränderte und dabei gleichzeitig irgendwie den unerwünschten ammoniakalischen Beigeschmack des Destillats entfernen konnte. Die Piraten waren ganz scharf auf diese neue Spirituose, und schon nach kurzer Zeit wurde dieser neue Rum weithin berühmt. Spanier, die in ihre Heimat zurückkehrten, nahmen eine oder zwei Flaschen des Rums mit, um sie ihren in der Heimat gebliebenen Angehörigen zu zeigen. Der Generalgouverneur von Kuba schickte dem spanischen König eine Flasche mit seinen besten Empfehlungen.

Im Hof hinter der Küche, wo Facundo Bacardí sein Elexier destillierte, befand sich ein Baum, der als Moncillo-Baum bekannt ist. Diese Bäume sind als Rastplätze bei Fledermäusen sehr beliebt, und Fledermäuse lieben auch den Zucker. Die Fledermäuse, die diesen Baum bevölkerten, flogen jede Nacht in die Küche und machten sich über die Melasse her, aus welcher der Rum destilliert wurde.

Es sammelten sich dort so viele Fledermäuse, daß der Bacardí-Rum bald als „Fledermaus-Drink“ bekannt wurde. Und Facundo, der sehr intelligent war und zu jener Zeit gerade nach einem Markenzeichen für seinen Rum suchte, nahm die Fledermaus als Symbol, weshalb bis heute jede Flasche Bacardí-Rum von einer Fledermaus als Markenzeichen geziert wird.

Facundo wurde wohlhabend, und als er starb, führten seine Söhne Emilio, Facundo und José das Geschäft fort und erweiterten es gewaltig, wobei sie gleichzeitig auf allen Inseln für ihre Wohltätigkeit und Freigebigkeit berühmt wurden. Wann auch immer ein Krankenhaus, eine Schule oder ein Park angelegt werden sollte, wandte man sich an Bacardí, und niemals verweigerten diese die Unterstützung. Deshalb war Emilio gegen Ende des vergangenen (19.) Jahrhunderts der berühmteste, beliebteste und auch einer der reichsten Männer der Inseln.

Emilios Sohn lebt in Paris, (sein Bruder) Facundo hat zwei Söhne, die heute beide das Geschäft führen. Der ältere von beiden, Facundo, ist Vizepräsident der Firma, Präsident ist sein Onkel, der Patriarch Henri Schueg, ein Franzose.

Der absolute Höhepunkt im Leben des Emilio kam, als der spanische König Alfonso XIII. an der Grippe erkrankte. Sein Leibarzt verschrieb ihm, nachdem alle anderen Medikamente versagt hatten, eine Flasche des damals noch in Spanien wenig bekannten „kubanischen Zucker-Brandys„, und tatsächlich konnte der König von seiner Krankheit genesen.

Es gibt zwei Schätze der Bacardís: Das eine ist das berühmte Familiengeheimnis des Herstellungsrezepts, welches ausschließlich dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten bekannt ist und von dem es heißt, daß es nirgendwo niedergeschrieben ist, sondern ausschließlich in den Köpfen dieser beiden Personen existiert, um Diebstahl zu verhindern. Der andere ist der Brief des Sekretärs des spanischen Königs, in welchem er sich bei Emilio Bacardí dafür bedankte, daß dieser ein Erzeugnis herstellte, das dem König das Leben gerettet hatte.“

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost auf die Fledermaus!

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