Cuba Cocktail Time (I)

Havana war seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine der wichtigsten Stätten für Cocktails und Mixgetränke der Welt und besonders während der Prohibition eine Pilgerstätte für durstige Seelen. Basil Woon hat in seinem 1928 erschienenen Buch „When it’s Cocktail Time in Cuba“ diese Zeit verewigt. In lockerer Folge bringe ich ausschnittsweise Übersetzungen aus diesem schönen Werk:

‚Havana war niemals ein Treffpunkt für Antialkoholiker. Es ist wahrscheinlich, daß die Prohibition in den USA zu einer Zunahme der „American Bars“ in Havana führte, doch die Bodega an der Ecke gab es schon immer. Eine Bodega ist eine Kombination aus Gemischtwarenladen, Tabakgeschäft und Saloon. In der Regel ist es außerdem auch ein Restaurant. Irgendjemand hat einmal gesagt, daß es in den Restaurants von Havana mehr Sitzplätze gibt als Einwohner in der ganzen Stadt, und tatsächlich gibt es in Havana eine unglaubliche Zahl von Restaurantplätzen. Würden sie ausschließlich als Restaurants geführt, dann würden sie Geld verlieren, da nur wenige von ihnen tatsächlich immer gut besucht sind. Es ist die Bar, die sie am Leben hält!

Jedes Restaurant und beinahe jeder Laden in Havana ist auch eine Bar. Es soll insgesamt 7.000 davon geben. Aus diesem Grund ist man niemals in Eile, um noch einen Drink zu bestellen – es gibt immer einen an der nächsten Ecke! Es ist vollkommen unmöglich, daß die Vorräte an alkoholischen Getränken in Havana jemals zur Neige gehen könnten!

Es ist eine Tatsache, daß jeder in Havana gerne einen oder auch zwei Drinks nimmt, aber niemand jemals betrunken zu sein scheint. Ein wenig beschwipst vielleicht. Und es kommt ab und an vor, daß ein Besucher ziemlich angeheitert ist, manchmal gar leicht verwirrt. Doch der Zustand der Trunkenheit, der danach kommt, ist praktisch unbekannt.

Ernsthafte Trinker haben in Havana ihre eigenen Vorlieben in Bezug auf ihre Erfrischungsgetränke. Der beliebteste und gesündeste dieser Drinks wird Daiquiri genannt und besteht eigentlich nur aus Bacardi und Limettensaft, die so lange geschüttelt werden, bis der Shaker von einer dünnen Eisschicht überzogen ist.

Die alten Zuckerrohrpflanzer auf Kuba und in Louisiana hatten einen Drink, der aus Rum und ausgepressten Limetten, Eis, einem Spritzer Grenadine und Wasser aus dem Siphon hergestellt wurde. Er wurde aus hohen, gefrosteten Gläsern getrunken und Planter’s Punch genannt.

Dieser Planter’s Punch war der Lieblingsdrink der Amerikaner auf Kuba. Aber in der Venus-Bar in Santiago de Cuba, wo sich allmorgendlich um acht Uhr eine Gruppe von ihnen traf, veränderte man diesen Drink, indem man die Grenadine und das Wasser aus dem Siphon wegließ und ihn im Shaker schüttelte. Anstelle des Jamaica Rums verwendete man reinen kubanischen Bacardi, der in Santiago aus Melasse destilliert wurde. Die Jungs nahmen jeden Morgen drei oder vier davon.

Die meisten von ihnen arbeiteten in den Minen von Daiquiri, deren Manager ein Gentleman namens Cox, Jennings Cox, war. Eines morgens sagte Cox in der  Venus-Bar: „Leute, wir nehmen diesen leckeren kleinen Drink nun schon seit längerer Zeit zu uns. Aber wir haben ihm niemals einen Namen gegeben. Lasst ihn uns taufen!

Die Anwesenden überlegten hin und her, bis Cox schließlich sagte: „Leute, ich sag euch was: Wir alle arbeiten in Daiquiri, und dort haben wir auch dieses Getränk das erste Mal getrunken. Nennen wir es einfach Daiquiri!

Seither ist der Daiquiri der berühmteste Drink auf Kuba. Das folgende Originalrezept habe ich von Don Facundo Bacardi persönlich erhalten, und einer der Männer, die bei jener Taufe anwesend waren, hat es mir bestätigt: eine halbe Limette auf einen Teelöffel Zucker ausdrücken, ein Whiskyglas Bacardi hineingießen, viel Eis dazutun und alles in einem Shaker kräftig und so lange schütteln, bis dieser von einer dünnen Eisschicht überzogen ist. In der Zwischenzeit ein hohes Weinglas in Form einer Flute kühlen, dann mit Shaved Ice anfüllen und den Drink hineingießen. Der Drink muß eiskalt getrunken werden, sonst schmeckt er nicht.

Der Bacardi Cocktail, wie er in Europa oder in New York bekannt ist und der BacARdi gesprochen wird (mit der Betonung auf dem AR) ist auf Kuba unbekannt. Die korrekte Betonung des Namens Bacardi legt die Betonung auf die letzte Silbe Bacardí. Später, in Santiago, werden wir sehen, wie der Rum hergestellt wird.

Die beiden anderen beliebtesten Cocktails in Havana sind der Presidente und der Mary Pickford. Der Presidente wird zur Hälfte aus Bacardi und zur Hälfte aus französischem Vermouth gemacht, mit einem Spritzer Curacao oder Grenadine. Es ist der Aristokrat unter den Cocktails und wird von den besseren Leuten auf Kuba getrunken. Der Mary Pickford, der während eines Besuches des Bartenders Fred Kaufmann in Havana kreiert wurde, besteht aus zwei Dritteln Ananassaft und einem Drittel Bacardi mit einem Spritzer Grenadine. Beide Cocktails sind leicht süß und müssen kräftig geschüttelt werden. Der Ananassaft muß frisch gepresst sein.‘

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

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