Cherry Heering – der Klassiker unter den Kirschlikören

Wer kennt sie nicht, die diversen Kirschliköre, die allesamt mehr oder weniger rot und mehr (meistens) oder weniger (seltener) süß sind? Die Palette reicht vom Billigprodukt, das man für unter vier Euro im Supermarktregal ganz unten findet, bis hin zum „Cherry Brandy“ eines bekannten niederländischen Produzenten, für welches etwa das Dreifache ausgegeben werden muß. Und das eine oder andere Produkt will sich von der Konkurrenz dadurch absetzen, daß es auf Basis von Rum hergestellt wird, was dann eine bessere Qualität indizieren soll.

Doch sind wir einmal ehrlich: Überzeugen kann keines dieser Produkte wirklich, das Aroma ist nur zu oft künstlich erzeugt, und wer glaubt, daß die Farbe von echten Kirschen kommt, der hat noch nie etwas von Azorubin (E122) & Co. gehört!

Mit echtem Kirschlikör haben die allermeisten dieser Produkte recht wenig zu tun, was die meisten von ihnen als „süße Plörre“ auch ziemlich in Verruf gebracht hat. Kein Wunder, daß diese so genannten „Kirschliköre“ auch in Cocktails nicht wirklich zur Qualität beitragen, weshalb man sie grundsätzlich meiden sollte.

Doch es gibt zum Glück eine Alternative, und das schon seit fast genau 200 Jahren: Die Firma Peter F. Heering Copenhagen versorgt qualitätsbewußte Bars und Genießer mit ihrem berühmten Cherry Heering, einem echten Kirschlikör der Sonderklasse, der ausschließlich aus natürlichen Grundstoffen und ohne jede künstliche Zutaten wie Aromen oder Farbstoffe hergestellt wird.

Der Firmengründer, Peter Frederik Suhm Heering (1792 – 1875), begann 1806 eine Lehre in einer Kopenhagener Apotheke, für die er dann auch bis 1815 arbeitete. Heering sagte später einmal, das Rezept für den schließlich nach ihm benannten Likör habe er von der Frau seines damaligen Arbeitgebers erhalten.

Wie dem auch sei, verließ Heering 1815 die Apotheke, um in einer Kopenhagener Kolonialwarenhandlung die Profession eines Einzelhandelskaufmanns von der Pike auf zu erlernen. Schon drei Jahre später, 1818, eröffnete er in der dänischen Hauptstadt seine eigene Kolonialwarenhandlung, in welcher er auch den nun von ihm selbst nach dem erhaltenen Rezept hergestellten Kirschlikör unter der Bezeichnung „Cherry Cordial“ verkaufte.

Das Geschäft mit diesem Likör entwickelte sich prächtig, besonders weil viele Kapitäne von Handelsschiffen ihn als Teil der Ladung aufnahmen, mit welcher sie in den Häfen in aller Welt Kolonialwaren handelten. So fand der Likör dann auch den Weg in viele Länder der Welt, allen voran in Batavia (das heutige Indonesien), Indien, Brasilien und auf den Westindischen Inseln, aber natürlich auch in ganz Europa und im Mittelmeerraum.

1836 begann der Export nach Großbritannien, und ein Jahr später auch in die USA. 1838 zog die Firma mitsamt der Produktionsstätte wegen zunehmender Platzprobleme nach Christianshavn, einen neuen Stadtteil von Kopenhagen, der auf einer künstlichen Insel westlich der Altstadt von Kopenhagen erbaut worden war.

1868 übernahm Peter N. Heering, der Sohn des Firmengründers, die Firmenleitung und sicherte bald durch einen genialen Schachzug die Zukunft der Firma: Er belieferte regelmäßig die oft in Kopenhagen ankernde königlich britische Yacht „Victoria and Albert“, weshalb sich der britische Adel alsbald um den famosen Kirschlikör riß, der dem königlichen Paar offensichtlich so lieb war!

Als Folge daraus wurde Peter F. Heering mit seinem Likör, der nun als „Cherry Brandy“ verkauft wurde, innerhalb des nächsten Vierteljahrhunderts königlicher Hoflieferant der Königshäuser von Dänemark und Großbritannien sowie des russischen Zaren.

Die schwere Zeit des I. Weltkriegs, der einen Export faktisch verunmöglichte, konnte Peter F. Heering auch dadurch überleben, daß ein gewisser Bartender namens Ngiam Tong Boon in einem der berühmtesten Luxushotels der Welt, dem Raffles in Singapur, den jetzt „Heering Cherry Liqueur“ genannten Likör als eine der Hauptzutaten für den sehr bald weltberühmten Cocktail „Singapore Sling“ verwendete.

Ein weiterer berühmter Cocktail, für welchen der Cherry Heering verwendet wurde, ist der 1922 kreierte „Blood and Sand“, der sich – ebenso wie der Singapore Sling – auch heute noch großer Beliebtheit erfreut. Im Unterschied zum Singapore Sling, dessen authentisches Rezept bis heute ein eifersüchtig gehütetes Geheimnis des Raffles Hotels geblieben ist, ist das Rezept für den Blood and Sand, der nach dem gleichnamigen Film mit Valentino aus dem Jahre 1922 benannt ist, jedermann zugänglich:

Blood & Sand

3 cl Scotch Whisky

3 cl Orangensaft

2 cl Cherry Heering

2 cl Vermouth (rot)

Für den Singapore Sling gibt es aus oben erwähntem Grund verschiedenste Rezepte unterschiedlicher Güte, vielleicht kommt dieses dem Original am nächsten:

Singapore Sling

3 cl Gin

2 cl Cherry Heering

1 cl Bénédictine D.O.M.

1 cl Cointreau

2 cl Grenadinesirup

12 cl Ananassaft

1 dash Angostura Bitters

Mit Eis shaken 

Nachdem auch der II. Weltkrieg überstanden war, expandierte Peter F. Heering weiter, und zwar sowohl durch zusätzliche neue Produkte wie Christianshavner Aquavit und Heering Coffee Liqueur, als auch durch die Eroberung weiterer Märkte, weshalb Cherry Heering heute in praktisch allen Ländern der Welt verfügbar ist.

Dies konnte freilich nicht verhindern, daß die lange im Familienbesitz der Heerings befindliche Firma aufgekauft und zusammen mit De Danske Spritfabrikker bei der in Stockholm (Schweden) ansässigen V&S Group landete, die vor allem für ihren Absolut Vodka bekannt ist. Diese wurde ihrerseits 2008 durch den französischen Spirituosen-Giganten Pernod Ricard übernommen.

Heute ist Cherry Heering die älteste noch existierende Likörmarke der Welt, der Erfolg zum nicht geringen Teil an den Kirschen, welche die Grundlage für diesen Likör bilden: Die Stevens-Kirsche ist eine urtümliche, dunkelrote, sehr aromatische Sauerkirsche, die ausschließlich in der Umgebung von Dalby auf der Insel Seeland angebaut wird. Sie allein vermag dem Likör den ganz besonderen bittersüßen Geschmack zu geben, für den er weltberühmt ist – alle anderen Kirschsorten würden hier versagen!

Diese Kirschen werden nach der Ernte leicht gepresst, damit die Häute aufplatzen und die Kirschen den Alkohol, in welchem sie mazerieren, besonders gut aufnehmen können. Diese Mazeration findet in Eichenfässern unter Beifügung gewisser Gewürze statt, und vor der Abfüllung reift das Ergebnis ganze fünf Jahre in Eichenfässern, bevor es sich „Heering Cherry Liqueur“ nennen darf! Erhältlich ist der Cherry Heering zum Beispiel hier: Heering Cherry Liqueur !

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

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