Brandy de Jerez – die Geschichte

Brandy de Jerez bildet zusammen mit dem französischen Cognac und Armagnac die unbestrittene qualitative Spitze der weltweiten Branntwein-Produktion. Das Wort „Brandy“ ist eine Verballhornung des niederländischen „brandewijn„, was nichts anderes heißt als „Branntwein“ (der niederländische Einfluss wird uns später noch begegnen), und Jerez ist der Name der spanischen Stadt Jerez de la Frontera in der Provinz Cádiz, an der südwestlichen Ecke Spaniens. Diese Stadt gab übrigens auch dem Sherry seinen Namen („Sherry“ ist wiederum eine Verballhornung von „Jerez“), die das so genannte „Sherry-Dreieck“ beherrscht, das die Gebiete von Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda umfasst.

Innerhalb dieses Dreiecks sind etwa 8300 ha mit Reben bestockt, die von der hohen Luftfeuchtigkeit durch den westlich angrenzenden Atlantik profitieren. 95 % davon sind Palomino-Trauben, der Rest Pedro Ximénez und Moscatel. Dieses Rebgut liefert nun nicht nur die Grundlage für den Sherry, sondern auch für die Herstellung von Brandy de Jerez. Nicht wenige der Sherry produzierenden Betriebe (die hier „Bodegas“ genannt werden) stellen auch Brandy her, dessen Produktion – ebenso wie beim Sherry – durch ein eigenes Kontrollgremium, den Consejo Regulador, streng überwacht wird.

Wann genau in Spanien mit der Destillation von Brandy begonnen wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, es waren jedoch die Mauren, die irgendwann nach ihrer teilweisen Eroberung Südspaniens (die bis 1492 andauern sollte) diese Kunst hierher brachten. Da der Islam ihnen den Genuss des damals schon berühmten Weins aus Jerez verbot, destillierten sie diesen, um Alkohol für medizinische Zwecke und zur Herstellung von Parfüm zu erhalten.

Nachdem nun diese Kunst auch in Spanien bekannt war, war es nur ein weiterer Schritt, bis man begann, den „gebrannten Wein“ zur Geschmacksverbesserung in Eichenfässern zu reifen. Diese Praxis muß bereits im 16. Jahrhundert weit verbreitet gewesen sein, da der Stadtrat von Jerez schon im Jahre 1580 die Einkünfte aus der städtischen Branntweinsteuer zum Bau eines Jesuitenkollegs verwendete. – Mit dem Brandy hatten findige Köpfe also auch gleich die dazugehörige Steuer erfunden!

In den folgenden Jahrhunderten kam es zu einem weiteren Aufschwung der Brandy-Produktion in und um Jerez, der zu einem Großteil exportiert wurde, und zwar in erster Linie in die Niederlande, von wo aus er in alle Welt verschifft wurde. Dies ist auch der Grund für den niederländischen Einfluss in der Terminologie, der nicht nur den Begriff „Brandy“ selbst erzeugte, sondern auch in der Bezeichnung der „Holandas“ genannten Destillate, die mit einer Stärke zwischen 60% und 65% die eigentlichen Geschmacksträger im Brandy sind, während die stärkeren Destilados (84% bis 86%) dem Brandy das Rückgrat und die besondere Feinheit verleihen. – Jeder Brandy ist also eine Mischung aus Holandas und Destilados!

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stiegen nun auch englische und französische Kaufleute ins immer interessanter werdende Brandy-Geschäft ein, sie waren es letztlich, die mit der Einführung neuer Techniken und Verfahren in Produktion und Reifung dem Brandy den Charakter gaben, den wir heute kennen. Etwa gleichzeitig begannen einige der größten Sherryhersteller damit, den von ihnen auch produzierten Brandy unter eigenen Markennamen zu verkaufen, eine Praxis, die heute allgemein üblich ist. Damit waren die Grundlagen für eine internationale Vermarktung geschaffen, die den Brandy als qualitativ hochwertigen Weinbrand bei Kennern und Liebhabern in der Welt immer beliebter macht und ihn dem Cognac als gleichwertiges spanisches Pendant gegenüber stellt.

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

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