Bitters (IV): Orange Bitters

Orange Bitters (Orangenbitter) zählen neben den genannten Angostura und Peychaud’s Bitters zu den ältesten Bitters überhaupt, bereits der „Professor“ Jerry Thomas verwendete sie in seinem 1862 erschienenen grundlegenden Werk How to Mix Drinks or the Bonvivant’s Companion! Das heißt, daß Orange Bitters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also gerade rechtzeitig zum Beginn des Goldenen Zeitalters des Cocktails, bereits einen festen Platz in vielen Mixgetränken erobert hatten und von mehreren Herstellern angeboten wurden, nachdem sie – wie viele andere Bitters auch – zunächst zu medizinischen Zwecken gedacht waren. Anders als bei Angostura und Peychaud’s Bitters können Orange Bitters jedoch nicht auf einen einzigen kreativen Kopf als Erfinder zurückgeführt werden, es scheint einfach so zu sein, daß die wachsende Beliebtheit der damals noch selten zu bekommenden, raren und teuren Orangen nicht nur den Anstoß für das Entstehen von Orangenlikören gab, sondern auch die Kreation von Orange Bitters initiierte.

Ende des 19. Jahrhunderts erreichten Orange Bitters den vorläufigen Höhepunkt ihrer Beliebtheit und waren unverzichtbarer Bestandteil einer ganzen Reihe berühmter Cocktails, allen voran des Martini Cocktails, der damals, anders als heute, aus jeweils einem Teil Gin und einem Teil Vermouth bestand, dem man einige dashes Orange Bitters zufügte. Von etlichen weiteren zeitgenössischen Cockails mit Orange Bitters, wie Bijou, Opera, Trilby und The Bronx, hat nur der letztere bis heute überlebt, und dies auch nur in guten Bars…

Die Prohibition war zwar im Falle der Orange Bitters nicht das Ende, es begann aber ein über mehrere Jahrzehnte dauernder Abstieg, der in den 1960er Jahren zum beinahe völligen Verschwinden dieses feinen Bitters führte. Viele Jahre war der 1951 eingeführte West Indian Orange Bitters der 1863 in Rochester (New York) gegründeten Firma Fee Brothers der einzige Orange Bitters überhaupt. Es sollten fast 40 Jahre vergehen, bis vor etwa 15 Jahren das langsam einsetzende Revival einer echten Cocktail-Kultur auch den Orange Bitters zu neuer Beliebtheit verhalf.

Der erste neue Orange Bitters war der Regan’s Orange Bitters von Gary und Mardee Regan, die seit 1991 in zahlreichen Büchern und Fachartikeln dem Revival des klassischen Cocktails das Wort redeten. Auch in Deutschland regte sich nun etwas, als die Münchner Manufaktur The Bitter Truth einen Orange Bitters auflegte, der auch sehr erfolgreich exportiert wird. Seither gab und gibt es immer wieder neue Orange Bitters verschiedener Hersteller, die sich in der Rezeptur und dementsprechend auch im Geschmack unterscheiden. 2008 brachte sogar die alterwürdige Angostura Company ihren eigenen Orange Bitters heraus, den Angostura Orange!

Grundbestandteil eines jeden Orange Bitters sind getrocknete Schalen von Orangen (Citrus sinensis, meist aus Spanien oder aus der Karibik) und Pomeranzen (Bitterorangen, Citrus aurantium), die in Neutralalkohol oder auch Gin mazerieren. Dazu kommen noch je nach Hersteller verschiedene weitere pflanzliche Bestandteile, am häufigsten Enzianwurzeln, Zimt, Nelken, Kardamom, Koriander und Kümmel sowie Ingwer und Piment. Der Alkoholgehalt liegt bei jeweils um die 40%.

Fee Brothers Orange Bitters: Seit 1951 einer der bekanntesten Orange Bitters. Vergleichsweise süß, mit deutlichem Orangenaroma (das ein wenig an eine Fanta erinnert) und weniger komplex, ist er eher für süßere Cocktails geeignet, während er im Martini nicht wirklich zur Geltung kommen kann. Erhältlich ist er hier: Fee Brothers Orange Bitters

Regan’s Orange Bitters No. 6: Weniger süß als der vorhergehende, besitzt er eine dezidierte Würze und ein kräftiges Orangenaroma. Durch seine Komplexität ist er ein idealer Begleiter für den Martini, dem er einen Hauch von frischer Orangenschale verleiht, wenn er nur in einer ganz kleinen Menge verabreicht wird (zwei bis drei Tropfen vielleicht). Zu kaufen gibt es ihn hier: Regan’s Orange Bitters

Angostura Orange: Der kräftigste unter den genannten Bitters, kann er mit einem sehr natürlichen Orangenaroma aufwarten, umrahmt von deutlichen würzigen Noten, die ihm zusätzliche Komplexität verleihen. Ebenfalls nur in geringsten Mengen verwenden! Auch eine sehr gute Wahl für einen Old Fashioned! Angostura Orange

The Bitter Truth Orange Bitters: Komplex und sehr würzig, der Hauptakzent liegt hier eindeutig auf den würzigen Noten. Daher gilt auch hier: sparsam verwenden! Vielleicht nicht die erste Wahl für einen Martini, aber unbedingt in einer Margarita oder einem Daiquiri probieren! Bitter Truth Orange Bitters

 

Rezept für einen Classic Martini Cocktail:

5 cl Gin (Tanqueray)

5 cl Vermouth (Noilly Prat)

2 dash Orange Bitters (Angostura Orange oder The Bitter Truth)

Auf Eis rühren, ohne Eis in einem Martiniglas oder einer Cocktailschale servieren und mit einer Orangenschale abspritzen!

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Rezept für The Bronx:

5 cl Gin (Plymouth oder Tanqueray)

1 cl Noilly Prat

1 cl Martini bianco

2 dash Orange Bitters (Fee Brothers oder Regan’s)

1 BL Orangensaft

Auf Eis rühren, ohne Eis in einem Martiniglas oder einer Cocktailschale servieren und mit einer Orangenschale abspritzen!

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Rezept für eine Margarita mit Orange Bitters:

5 cl Reposado oder Anejo Tequila

5 cl frischen Limettensaft

3 cl Zuckersirup

3 dash Orange Bitters (The Bitter Truth)

Auf Eis rühren und in einen Tumbler mit Salzrand und mit Crushed Ice strainen. Zwei Limettenscheiben dazugeben.

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Rezept für einen Perfect Old Fashioned:

6 cl Rye Whiskey

1 Zuckerwürfel (Demerara Zucker!)

1 dash Wasser

2 dash Angostura Bitters

1 dash Orange Bitters (Regan’s)

3 Tropfen Jerry Thomas Bitters

Den Zuckerwürfel mit den Bitters und dem Wasser tränken und in einem Tumbler zerstoßen, rühren bis zur völligen Auflösung. 

Zwei große Eiswürfel und den Whiskey zugeben. 

Mit Zitronen- und Orangenschale garnieren.

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In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

 

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