Armagnac – die Geschichte

Armagnac ist der älteste Weinbrand Frankreichs und wird deshalb oft als „älterer Bruder des Cognacs“ bezeichnet. Doch trotz dieses Altersvorsprungs und der Tatsache, daß Armagnac durch eine Appellation d’Origine Controlée (AOC) gesetzlich geschützt wird, hat der Armagnac niemals die Berühmtheit des Cognacs auch nur annähernd erreichen können. Was sehr schade ist: Armagnac gehört zu den besten Bränden der Welt, und es gibt exzellente Abfüllungen, die viele Jahrzehnte alt sind und qualitativ mit allem mithalten können, was es sonst an Brandys auf der Welt gibt!

Begonnen hat die Geschichte des Armagnac eigentlich schon mit den Römern: Sie brachten den Weinbau  in den Südwesten Frankreichs und schufen damit die Voraussetzungen für jegliche Art von Branntwein, der ja schließlich – wie der Name schon sagt – aus Wein gebrannt wird.

Doch noch zwei weitere wichtige Elemente mußten hinzukommen, bis der Armagnac entstehen konnte: Die Mauren brachten die Kunst der Destillation mit, die sich vom damals maurischen Südspanien nach und nach in Richtung Norden ausbreitete, und in der Gascogne, im Westen Frankreichs, entwickelte sich das Handwerk der Büttner, also die Herstellung von Holzfässern, zur höchsten Blüte.

Hier, im Herzen des von den Römern „Aquitania“ genannten Landstrichs, der in das Eck zwischen den Pyrenäen im Süden und den Golf von Biskaya im Westen gezwängt ist und im Norden bis nach Bordeaux, im Osten aber fast bis nach Toulouse reicht, waren die Menschen schon immer etwas anders als im Rest Frankreichs: Die gesamte Gegend ist ländlich geprägt, Wasserstraßen waren stets wichtiger als Straßen, und die Herrscher dieses Gebietes versuchten stets, ihre Unabhängigkeit so weit wie möglich zu wahren.

Dies gelang ihnen weitgehend vor allem deshalb, weil dieser Landstrich mit seinen bockigen und kampfeslustigen Bewohnern wirtschaftlich gesehen eher unbedeutend erschien, hier war also von den aufmüpfigen „Untertanen“ nicht viel zu holen (Alexandre Dumas hat in seinem Roman „Die drei Musketiere“ den Gascognern mit der Figur des heißblütigen d’Artagnan ein ewiges Denkmal gesetzt)!

So beharrte man in Aquitanien allgemein, ganz besonders aber in deren Herzen, der alten Grafschaft Armagnac, starrköpfig auf eigenen, althergebrachten Verfahren, was sich besonders beim edelsten Produkt der Gegend, dem nach eben dieser Grafschaft benannten Weinbrand Armagnac, zeigte! Der Armagnac ist, wie die Menschen dieser Gegend, ein Individualist, weswegen er sowohl als ältester Weinbrand Frankreichs als auch als jüngster gilt: Bis jetzt streiten sich die Gascogner darüber, wie er denn wirklich herzustellen sei…

Schon 1411, also fast 140 Jahre vor dem Cognac (1549), wird der Armagnac erstmals schriftlich erwähnt, wobei freilich zunächst, wie es bei vielen anderen Spirituosen ebenfalls der Fall war, eine medizinische Anwendung angedacht war. Tatsächlich war die Gascogne die erste Gegend Frankreichs, welche die Kunst der Destillation von den Mauren lernte, und zwar durch die enge Verbindung, welche die Universität von Montpellier, die eng mit dem Zentrum islamischer Wissenschaften in Europa, Salerno, verbunden war.

Mitte des 16. Jahrhunderts exportierte man über die südlich, unweit der spanischen Grenze, gelegene Hafenstadt Bayonne das so genannte „aygue ardente“ oder „eau de vie“ vor allem in die Niederlande, die damals eine der wichtigsten Seemächte der Welt waren und ihre Schiffe mit der bald nach der Herkunftsregion „Armagnac“ genannten Spirituose versorgten.

Daß daraus kein internationaler Exportschlager wie der Cognac wurde, lag zum Einen daran, daß die Gascogner nicht so geschäftstüchtig waren wie ihre nördlich von Bordeaux sitzenden Kollegen im Cognac, zum Anderen aber auch daran, daß der Transport zum Hafen Bayonne über Land sehr beschwerlich war und der in die Garonne mündende Fluß Baise nicht schiffbar war und damit kein Schiffahrstweg nach Bordeaux verfügbar war. Bordeaux war nämlich zu dieser Zeit schon DAS weltweite Zentrum für den Handel und Export von Wein und Spirituosen (Cognac…).

Erst im frühen 19. Jahrhundert sollten zwei Entwicklungen dem Armagnac den Weg zu internationaler Berühmtheit öffnen: Die Entwicklung der „alambic armagnacais„, einer Abwandlung der aus dem Cognac bekannten Alambic durch Edouard Adam aus Montpellier, führte ab 1819 zur Herstellung dieser als „Continuos Still“ ausgelegten Destillieranlage, die eine ununterbrochene Destillation erlaubte, womit schneller und kostengünstiger destilliert werden konnte, was den vielen kleinen Brennern in der  Gascogne neue Möglichkeiten eröffnete.

1830 wurde schließlich die Baise zu einem schiffbaren Kanal ausgegraben, was dem Armagnac nun endlich den Zugang zum Handelszentrum Bordeaux gewährte. Als Folge davon verdoppelte sich die Armagnac-Produktion innerhalb von vier Jahrzehnten auf nunmehr 100.000 hl. – Und es sicher auch kein Zufall, daß der älteste heute noch bestehende Armagnac-Hersteller, Castarède, just in dieser Zeit (1832) gegründet wurde!

Doch kaum war man im Armagnac auf die Beine gekommen, schlug die Katastrophe zu: Die Reblaus (Phylloxera), aus den USA „eingeführt“, vernichtete ab 1878 die europäischen Weinberge beinahe vollständig, darunter auch die der Gascogne! Viele besonders der kleineren Produzenten gaben daraufhin den Weinbau auf und verlegten sich auf andere landwirtschaftliche Produkte, und so brach die Grundlage für die Herstellung des Armagnac völlig zusammen. Die Wiederanpflanzung auf gegen die Reblaus resistente Wurzelstöcke dauerte hier länger als in anderen Gebieten, und so war der Cognac – wieder einmal – im Vorteil, wo größere und reichere Produzenten mit mehr Einsatz (und Geld) schneller bei der Sache waren.

Doch dann kam der I. Weltkrieg, und dieser wirkte sich auf die stark vom Export abhängigen Cognac-Produzenten mehr aus, als auf die kleinen Betriebe des Armagnac. Diese sahen nun ihre Chance gekommen, und so gelang es schon zwischen den beiden Weltkriegen, den Armagnac vor allem im Hauptabsatzgebiet Großbritannien, aber auch in den USA, als Alternative zum Cognac zu etablieren. Unterstützt wurde der Aufschwung des Armagnac durch die Einrichtung des Bureau National Interprofessionel de l’Armagnac (BNIA), das den Anbau, die Herstellung und den Verkauf des Armagnac strengen gesetzlichen Regelungen unterwarf und ihn durch eine geschützte Herkunftsbezeichnung (AOC) seit 1909 (und nochmals präzisiert 1936) weltweit schützt.

Dennoch ist auch heute der Armagnac im Vergleich zum Cognac der zwar ältere, aber viel kleinere Bruder: 2009 wurden etwa sechs Millionen Flaschen Armagnac produziert, im Vergleich zu mehr als 170 Millionen Flaschen Cognac!

Damit bleibt der Cognac zumindest vorerst ein hochwertiger Weinbrand für Spezialisten und Liebhaber, die vor allem alte Jahrgänge zu vergleichsweise günstigen Preisen suchen!

In diesem Sinne: Ein frohes Zwischenprost!

 

 

 

Ein Gedanke zu “Armagnac – die Geschichte

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